STUBE Rheinland - Pfalz / Saarland
Seminar-Berichte

Patente, Profite und AIDS

am 12. Oktober 2002
im Zentrum von KHG und ESG Homburg/Saar
 
 AIDS ist 1981 erstmals festgestellt worden, inzwischen „haben sich 60 Millionen Menschen mit dem Virus angesteckt. AIDS ist heute die häufigste Todesursache in Afrika südlich der Sahara. Weltweit ist sie die vierthäufigste tödliche Krankheit.“ Angesichts dieser Fakten, nachzulesen unter www.uniaids.org/epidemic_update/report_dec01/index.html, ist nicht nur Betroffenheit angesagt, sondern eben auch Handeln. Vor allem in den Entwicklungsländern ist AIDS eine unbezahlbare und todbringende Krankheit.
Im STUBE-Seminar „Patente, Profite und AIDS“ kamen drei internationale Fachleute mit Studierenden aus Saarbrücken, Homburg und Heidelberg zusammen, um Strategien und Lösungswege kennenzulernen und umzusetzen. Das Tagesseminar war eine Station der Rundreise von Expertinnen und Experten, die eine Fachkonferenz der Ev. Akademie Bad Boll zum Ausgangspunkt hatte. Die Chance dieses Austauschs ist im wesentlichen der BUKO Pharma-Kampagne des Bundeskongresses entwicklungspolitischer Aktionsgruppen zu verdanken.  

Rogério Hoeffler aus Brasilien stellte dar, wie das Gesundheitswesen seines Heimatlandes sich in Kooperation mit Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) auf die schnell wachsende Epidemie AIDS eingestellt hat. Unter der Prämisse, dass Prävention und Therapie nicht zu trennen sind, gehört es zu den Prinzipien des AIDS-Programms, dass die gesamte Bevölkerung einen garantierten Zugang zu Präventions- und Therapiemaßnahmen hat. Brasilien hat mit diesem Programm, das u.a. Aufklärungsarbeit, Zugang zu kostengünstigen Kondomen und Medikamenten sowie Versicherungsschutz für gefährdete Bevölkerungsgruppen beinhaltet, den sensationellen Erfolg erzielt, dass entgegen der Prognose der Weltbank die Zahl der Neuinfektionen mit HIV stark rückläufig sind. In der anschließenden lebhaften Diskussion wurde von einer Teilnehmerin aus Kamerun bewundernd festgestellt, dass es in Brasilien gelungen ist, für dieses AIDS-Programm eine breite gesellschaftliche Akzeptanz zu erreichen.

Promise Mtebu aus Südafrika leistete eine Einführung, warum Frauen sich leichter mit HIV infizieren können als Männer. Biologische Ursachen, finanzielle Stellung wie auch überkommene Rollenmuster führen dazu, dass Frauen sich schlechter schützen können als Männer. Mtebu wies dabei insbesondere auf die Problematik von schwangeren HIV-infizierten Frauen hin, die um ihre Kinder fürchten müssen.

In einer Auflistung der Zugangsprobleme zu Therapien in den jeweiligen Heimatländern und der fünf größten Gesundheitsprobleme fiel Deutschland aus der Reihe:. Herz-Kreislauf-Probleme, Krebs und Diabetis u.a. sog. Zivilisationskrankheiten sind hier typische Probleme, während die SeminarteilnehmerInnen aus Kamerun, Kenya, Palästina, Sudan und Togo Malaria, Cholera und eben AIDS nannten. Einigkeit erzielte das Seminar, dass der Prävention eine enorme Bedeutung zukommt und zugleich bei der Therapie die hohen Kosten von AIDS-Medikamenten gesenkt werden müssen, um vielen eine Lebensperspektive zu bieten. Sourirajan Srinivasan aus Indien stellte in diesem Zusammenhang die Fima LOCOST (Low Cost Standard Therapeutics) vor, die Generica zu einem ausgesprochen günstigen Preis herstellt und so der Pharmaindustrie u.a. das profitable Geschäft mit patentgeschützten AIDS-Medikamenten verhagelt.
Ergebnis dieses Seminars war es, dass man angesichts von AIDS nicht verzweifeln muss, sondern es durchaus Wege der Therapie, der Lebensverlängerung gibt, die allen Menschen möglich sein sollte. Gesundheit ist ein Menschenrecht und kein Privileg weniger Reicher.

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