STUBE Rheinland - Pfalz / Saarland
Seminar-Berichte

Good Governance

Europäische Akademie Otzenhausen, 24. - 26.05.2002

Das diesjährige StuBe-Wochenendseminar, das vom ZEDW organisiert und von der Europäischen Akademie Otzenhausen durchgeführt wurde, war mit einer Teilnehmerzahl von 29 TN gut ausgebucht. In dem einleitenden Vortrag von Dr. Markus Steinich von der gtz zum Thema des Seminars, wurde der Begriff „Good Governance“ erklärt und näher erläutert, welche Probleme sich in der Praxis für dessen Anwendung ergeben.

Nach dem Vortrag der v.a. für diejenigen sehr informativ war, die bisher wenig von „Good Governance“ gehört hatten, folgte eine angeregte Diskussion. Man überlegte, wie „Good Governance“ umgesetzt werden könne, ob es universelle bzw. globale (also auch messbare) Governance-Kriterien geben könne oder inwiefern „Good Governance“ als Voraussetzung für Entwicklung(szusammenarbeit) sinnvoll sei. Die Diskussion wurde dann aufgrund der fortgeschrittenen Stunde in das Europabistro verlegt, wo die meisten der TN noch weiter über die Probleme, Vorteile und Kriterien von „Good Governance“ diskutierten.

Der nächste Tag begann mit dem Länderbeispiel China, Frau Danni Sun betonte in ihrem Referat v.a., dass sich der Feudalismus noch bis in die heutige Zeit auswirkt, und dass Traditionen wie z.B. das Frühlingsfest eine sehr große Bedeutung innehaben, die im Wesentlichen dem Zusammenhalt der Familie dienen. In der Diskussion ging es den TN v.a. um konkretere Aussagen zur „Good Governance“-Politik Chinas.

Im Anschluß hielt Herr Sérigne Mbaye ein Referat über die „Good Governance“-Politik in seinem Heimatland Senegal. Er stellte deutlich heraus, dass viele der Kriterien zwar erfüllt seien, dass Senegal aber immer noch zu den sog. Entwicklungsländern gehöre. In der anschließenden Diskussion ging es v.a. auch um Fragen der informellen Machtpotentiale der sog. Marabous (religiös-geistliche Autoritäten), auf die man von Regierungsseite nur bedingt bis gar keinen Einfluß habe.

Nach dem Mittagessen folgte das Länderbeispiel Kamerun, hierzu hielt Herr Dr. Michel Mbida einen umfassenden Vortrag mit dem Titel „Kritischer Exkurs zum entwicklungspolitischen Ansatz von „Good Governance“ im internationalen Vergleich“.

In der anschließenden Diskussion erklärte er am Beispiel der Holzwirtschaft und des Pipeline-Projektes, welche verheerenden Folgen die Wirtschaftspolitik der kamerunischen Regierung zur Folge hatte. Kamerun hat ein eigenes „Good Governance“-Konzept entwickelt und hat die Kriterien erfolgreich umgesetzt, dennoch ist Kamerun bis heute eins der korruptesten Länder geblieben und noch weit davon entfernt, eine stabile wirtschaftliche Basis zu erlangen.

Nach einer kurzen Pause folgte das Länderbeispiel Togo, hier sollte es um bildungspolitische Fragen im Kontext von „Good Governance“ gehen. Der Referent, Herr Gabin Ananou (Vertreter der togoischen Botschaft), prangert die besonders schlechten Bedingungen an, die im Bereich der Bildung in Togo bestehen, und rief dazu auf, diesen Sektor zu fördern, da nur durch Bildung auch eine nachhaltige Entwicklung des Landes möglich sei.

Herr Dr. Matin Baraki hielt seinen Vortrag zum Thema „Good Governace als Allheilmittel für den Wiederaufbau Afghanistans?“ direkt im Anschluß. Er führte den TN die geschichtlichen Ereignisse vor Augen, um schließlich auf das Thema „Good Governance“ und die Umsetzung(?) im afghanischen Staat zu sprechen zu kommen.

Zum letzten Länderbeispiel referierte Herr Adolfo Ramirez über die Ursachen des seit 40 Jahren andauernden Bürgerkrieges, dessen Neuentwicklungen und über die Lage der Menschenrechte in Kolumbien. Herr Ramirez machte vor allem die kolumbianischen Großgrundbesitzer und die ausländischen Großmächte, in erster Linie die USA, für den Krieg verantwortlich und stellte anschließend eine verheerende Menschenrechtslage dar.

Das Seminar endete mit einer Abschlussdiskussion und einer Gesamtbewertung, aus der hervorging, dass das Seminar sehr zufriedenstellend war und die Ansicht geäußert wurde, ein ähnliches zu wiederholen.
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