STUBE Rheinland - Pfalz / Saarland
Seminar-Berichte

STUBE-Wochenendseminar

"Globalisierung – was heißt das für ausländische Studierende"

22. – 24. 11. 2002 in Mainz

 

Ziel des Seminars war es, die Situation ausländischer Studierender als Bildungsmigranten im Kontext der gegenwärtigen Globalisierungsprozesse zu verstehen und Perspektiven für deren Zukunft zu entwickeln.

Die 11 TeilnehmerInnen (8m/3w) kamen aus Afrika (6), Asien (4), und Lateinamerika (1) aus den Hochschulorten Mainz (3), Germersheim (1), Homburg (3), Kaiserslautern (2), Bingen (1) und Gießen (1).

22. 11. 02
Das Seminar begann am Freitagabend mit einer Vorstellungsrunde und der individuellen Formulierung von Antworten auf die Fragen:

1. Was habe ich erwartet, als ich mich für ein Studium in Deutschland entschieden habe?
Antworten (zusammengefasst): bessere Ausbildung mit entsprechend besseren Berufschancen; Auslandserfahrungen, Lebenserfahrung, Stress und Heimweh.

2. Welche Erfahrungen habe ich bisher in Deutschland gemacht?
Antworten (zusammengefasst): Entwicklung der eigenen Persönlichkeit (Selbständigkeit, andere Werte (z.B. Fleiß, Ordnung, Toleranz)); Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen; Meinungsfreiheit; Praktische Berufserfahrungen.

3. Welche Erwartungen habe ich für die Zukunft
Antworten (zusammengefasst): gute Berufsmöglichkeiten; Familie; Wissen für andere Menschen einsetzen, im Heimatland für bessere Verhältnisse arbeiten.

23. 11. 02
Der Samstag begann mit einem Referat von Dr. Th. Posern (Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN) zum Thema "Wirtschaftliche und politische Konsequenzen der Globalisierung", im dem in dem zunächst historisch das "Zusammenwachsen" der Welt (Transport- und Kommunikationsmittel) aufgezeigt wurde, dann Praxis der weltweiten Produktion einzelner Unternehmen (Standortvorteile) dargestellt wurde sowie die Möglichkeiten staatlicher und nicht-staatlicher Kontrollen der globalen Industrieproduktion und Finanzmärkte

Die Diskussion konzentrierte sich auf folgende Bereiche:

- global operierende Unternehmen vs. national begrenzte Politikinstrumente
- Möglichkeiten internationaler Politiken (staatlich/nicht-staatlich)
- Die Gefahr der Abkoppelung wirtschaftlich uninteressanter Teile der Welt (z.B. Afrika)

Der Nachmittag begann mit einem Spaziergang. Anschließend tagten Arbeitsgruppen zum Thema "Gründe, Chancen und Probleme der Migration". Daran schloss sich ein Kurzreferat von Dr. Posern an zum Thema "Globalisierung und Migration". Die anschließende Diskussion hatte folgende Schwerpunkte:

- keine Reduzierung von ausländischen Studierenden auf ihre Herkuftsländer/-kultur.
- Möglichkeiten weltweiter Mobilität und nationalstaatliche Restriktionen (Gerechtigkeit)
- Sinn und Unsinn eines Studiums in Deutschland bei fehlenden Berufsperspektiven.

Am Abend wurde der Film "Der Marsch" gezeigt.

24. 11. 03
Am Vormittag referierte Th. Jäger (WUS) zu praktischen Problemen des Ausländerstudiums und den möglichen Veränderungen durch das geplante Zuwanderungsgesetz.

Die Diskussion ergab herbe Kritik an dem Widerspruch zwischen einer Politik der Internationalisierung der deutschen Hochschulen und den schlechten Rahmenbedingungen (Arbeitsmöglichkeiten während und nach dem Studium, aufenthaltsrechtliche Beschränkungen, schlechte Serviceleistungen der Universitäten, z.B. Sprachkursangebote, Wohnheimplätze, Tutorien). Zum Zuwanderungsgesetz wurde festgestellt, dass die Verbesserungen für ausländische Studierende nur geringfügig sind (180 halbe Tag Arbeitserlaubnis, längere Aufenthaltsberechtigung nach Beendigung des Studiums).

Abschließende Auswertung (Nennungen in Klammern):

1. Was habe ich gelernt?
- mehr Information über Aufenthaltsrecht und weitere Perspektiven (7)
- Globalisierung besser verstanden (3)
- andere Menschen aus verschiedenen Kulturen kennen gelernt (2)
- konkrete Informationen erhalten.

2. Was war gut?
- Gedankenaustausch (3)
- neue Freunde kennen gelernt (3)
- Organisation des Seminars, keine Hektik (3)
- gemeinsam kochen (2)
- abends den Film sehen
- die Toleranz der Muslime: sie haben für andere gekocht, obwohl sie selbst gefastet haben (Ramadan)
- gutes Miteinander

3. Was kann man besser machen?
- zu viel Referat ist langweilig (2)
- warmes Essen am ersten Abend (2)
- mehr Freizeitmöglichkeiten (2)
- konkreteren Bezug zum Studium
- mehr Austausch, Zeit für Arbeitsgruppen
- mehr Zeit für einander

Pfr. Dr. Ulrich Luig, ESG Mainz

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